Offener Brief der Initiativgruppe zur Unterstützung von Sergey Udaltsov

Wir wenden uns an die ehrlichen Medienvertreter, Ärzte, Anwälte, Beamte und Bürgerrechtler.
Sergey Udaltsov, der Anführer der russischen politischen Bewegung Linke Front, wird seit dem 4. Dezember in einem Gefängnis in Moskau festgehalten. Er wurde nur für Versuch festgenommen, an friedlichen Protesten gegen den scheinbaren Wahlbetrug teilzunehmen. Der offizieller Grund seiner Festnahme lautet: Überquerung der Straße an einer unzulässigen Stelle. Seit 04. Dezember befindet er sich im s.g. trockenen Hungerstreik gegen seiner ungesetzlichen Verhaftung. Er nimmt weder Nahrung noch Wasser zu sich. Sein Hungerstreik dauert bereits dritte Woche an, sein Zustand ist kritisch. (Er hat mehrmals betont, dass er sein Hungerstreik sofort einstellt, wenn er rechtmäßig in der Klinik aufgenommen und dort behandelt wird). Doch während der ganzen Zeit seit seiner Festnahme wird er immer wieder vom Gefängnis zur Moskauer Staatsklinik Nr.64 und zurück zum Gefängnis transportiert. Eine angemessene medizinische Versorgung, die er dringend benötigt, wird ihm zum wiederholten Mal verweigert.

Am 18. Dezember wurde Sergey Udaltsov im kritischen Zustand in die Intensivstation der Moskauer Staatsklinik Nr.64 eingeliefert. Er kann sich nicht mehr selbstständig bewegen, wird dabei aber von zivilbekleideten Wachmännern geleitet. Diese verhindern die Anwälte, den kranken Udaltsov zu besuchen. Die Leiterin der Abteilung für innere Medizin der Staatsklinik verweigert Udaltsov stationäre Aufnahme. Der leitende Arzt weicht Udaltsovs Rechtsanwälten aus.
Wir sind sehr besorgt über die seltsame Reaktionen des medizinischen Personals in der Klinik, welches unter dem Druck der Machtstrukturen zu stehen scheint. Zu schwerkranken Udaltsov werden nur die Notärzte zugelassen, die unmittelbar von den Mitarbeitern des Gefängnisses angerufen wurden. Die von den Anwälten gerufene Krankenwägen drehen kurz vor dem Gefängnisgebäude um.
Wir sind auch über die Tatsache besorgt, dass Sergey Udaltsov nach kurzer Aufnahme in der Klinik immer wieder schnell zurück ins Gefängnis gebracht wird. Dies geschieht offensichtlich mit dem Ziel, Udaltsovs Wille zu brechen und ihn auszuhungern, obwohl hier eine unmittelbare Gesundheits- und Lebensgefahr besteht.
Wir sind der Meinung, dass sowohl Udaltsovs Festnahme als auch die weitere Aufrechterhaltung der Haft auf Bestellung stattfinden und in einer engen Verbindung mit seiner politischen Tätigkeit stehen. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International betrachtet Sergey Udaltsov als gewaltlosen politischen Gefangenen, für dessen Festnahme es keinerlei Gründe gibt. Wir protestieren gegen diese himmelschreiende Menschenrechtsverletzungen: grundlose Festnahme und Verhaftung; Verweigerung der medizinischen Versorgung, was in diesem konkreten Fall Folter gleichgestellt werden muss. Dies ist ein klarer Fall der Nichtbefolgung der Richtlinien medizinischer Ethik.
Wir fordern sofortige Verlegung Sergey Udaltsovs in ein anderes Krankenhaus, welches er und seine Verwandten aussuchen werden. Wir fordern für ihn sofortige stationäre Aufnahme. Wir fordern seine sofortige Freilassung und Unterlassung seiner weiteren strafrechtlichen Verfolgung. Wir fordern eine Ermittlung gegen alle Polizeibeamte und Ärzte, die an diesem Fall beteiligt sind.
Wir rufen auf, sich an die Menschenrechte zu erinnern und die strafrechtliche Verfolgung für politische Gesinnung zu unterlassen.
Wir fordern dass, die Gesetze der Russischen Föderation beachtet und befolgt werden.

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